Mittwoch, 23. April 2008

Riobamba

Finale Arbeiten stressen, Examen warten, Motivation ist allerdings nirgends zu finden, hoechste Zeit also meinen Bericht vom Wochenende zu schreiben. Eine besonders negative Ueberraschung war dass mich Tim aus Kolumbien und Jan und Ines + Oesterreicher aus Perú mich besucht haben (bis auf den Oesi allesamt "Freunde" aus Maastricht). Da ich die nicht mehr loswurde hab ich mir gedacht bloss weit weg von Zuhause und so gings nach Riobama. Insgesamt waren wir sogar zu 9., sehr spassig aber auch kompliziert.
Momentan ist in Riobamba Stadtfest, das heisst ueberall gibts gegrilltes Schwein ("hornado", die Spezialitaet No.1) und eine Art Karnevalszug zieht durch die Stadt. Nur das hier eher der Fokus ist auf bunte Kleider und Volkstaenze. Und recht sehenswerte Festival-Koeniginnen. Das haben wir dann auch alles voller Genuss mitgenommen. Und weil wir so euphorisch waren hatten wir noch die gute Idee ein bisschen weiter rein ins Getuemmel und als der Zug ne kleine Pause gemacht hat entlang der Strase hochzulaufen. Ganz bloed war nur als der Zug wieder anfing und uns weils so voll war keiner mehr an der Seite reinlassen wollte. Gebuehrende Panik machte sich breit, denn sowohl die rueden Beschimpfungen als auch die Aufforderungen mit dem Karnevalszug zusammen zu tanzen waren doch recht verwirrend. Im Endeffekt denk ich hatten die blonden Huenen mehr Aufmerksamkeit als der Zug selber, ob das nun positiv oder negativ war moecht ich hier an dieser Stelle nicht kommentieren.
Spaeter am selben Abend gings zum ersten Stierkampf meines Lebens, eine Sache die man sicher nicht unbedingt unterstuetzen sollte, die sich aber lohnt einmal zu sehen und kennenzulernen. Hier der generelle Ablauf: Es gibt 6 Stiere, 3 Matadore die jeweils 2 Stiere erlegen duerfen; Erst bekommt der Stier es mit 6-8 Torreros zu tun (die haben pinke anstatt rote Tuecher, moeglicherweise ein modischer Trend), die den Stier ermueden sollen; Ausserdem kommen zwei Riesenschlachtroesser mit Panzerung rein, auf denen andere Torreros reiten mit Lanzen, wo die reingesteckt werden kann man sich wohl denken (nicht in den Boden); Die Torreros haben auch noch "Schlupfloecher" in der Arena wo sie sich verstecken koennen und das machen sie im Zweifel auch sehr gerne; Die Torreros stecken dann irgendwann kleine Lanzen in den Ruecken des Stiers, das funktioniert in dem man wie willt auf den Stier zulaeuft und die da panisch reinsteckt - wenn der Matador gut ist macht er diese Drecksarbeit auch selber; Nachdem der Stier genuegend geschwaecht ist darf der Matador selber mit dem Stier noch spielen, bevor er ihm ein Schwert direkt zwischen die Schulterblaetter haut. Regel No.1 der ganzen Sache: pinke Strampleranzuege und exzessive Arroganz sind elementar. Bei unserem Stierkampf gabs wohl ungewoehnlich viel zu sehen: Einen Klasse Matador der den Stier mit seinen blossen Haenden am Kopf packt und abwehrt, spaeter aber fast zertreten wurde und sich nur durch rollen am Boden befreit hat. Dann beim finalen Stoss wurde er noch vom Horn des Stiers getroffen, aber Hilfe von seinen Kollegen anzunehmen waere eine Schande, also wiedermal eine arrogante Ablehnung. Dieser Matador hat dann auch das Ohr des Stiers serivert bekommen, eine besondere Auszeichnung. Allerdings waren auch echt schlechte Matadoren dabei die etliche Versuche brauchen den Stier zu richten (und ihn so noch mehr als ohnehin quaelen). Oder die staendig ihr rotes Tuch verlieren und Hilfe von ihren Kollegen brauchten. Einmal wurde der Stier auch zu sehr vom Pferd aus geschwaecht dass sie ihn nachher nur mit Lasso einfingen und einfach erstochen haben. Ein andermal hat sich ein Stier schon im halbtoten Zustand zwischen Ring und Torrerounterschlupf eingeklemmt und konnte kaum befreit werden.
Ich hoffe ihr habt wegen dem langen Bericht jetzt keinen falschen Eindruck. Ein Stierkampf reicht mir voellig, denn eigentlich ist das wirklich ueberhaupt keine schoene Sache zu sehen, dass es fuer einmal aber sehr interessant war kann ich nicht bestreiten...
Der Sonntag wurde damit verbracht eine Zugreise auf dem Dach eines traditionellen Zuges zu machen, mitten durch Berge und Natur bis zur "nariz del diable", der Nase des Teufels... Die ganze Sache haben wir insofern aufgelockert indem wir uns eine grosse Bananenstaude fuer $1,50 gekauft haben und die Bananen an jedermann verteilit haben. Damit liegt uns jetzt auch Riobamba endlich zu Fuessen.
Memo an mich selbst: Die Hunde in Riobamba haben voll keine Ahnung wie es ist Hund zu sein, die wissen echt nix...

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